Archiv der Kategorie 'Buchtipps'

abgefahren: 16 Jahre Roadtrip

Wer schon ab und an in meinem Blog gestöbert hat wird leicht feststellen, dass ich gerne Reiseberichte lese. Einen der bekanntesten und erfolgreichsten möchte ich heute kurz vorstellen: Abgefahren – In 16 Jahren um die Welt von Claudia Metz und Klaus Schubert.

Die Geschichte…

Metz/Schubert: Abgefahren - In 16 Jahren um die WeltEigentlich wollte das kölner Teenager-Pärchen nur Klaus’ Schwester in Japan besuchen, weil sie es ihr bei ihrem letzten Besuch versprochen hatten. Allerdings kam Klaus die Idee, anstatt per Flugzeug mit einer Enduro von Köln nach Japan zu fahren – quer durch Asien. Schließlich entschließt sich Claudia, sich ebenfalls ein Motorrad zuzulegen und Klaus zu begleiten.

Klaus hat die Reise pinibelst geplant – Tag für Tag, Kilometer für Kilometer. 10 Monate sollte die Reise dauern. So geht es mit flottem Tempo durch Deutschland, Österreich, das ehemalige Jugoslawien, Griechenland in die Türkei und weiter über Iran nach Pakistan, wobei die Fahrt sich zunehmend schwieriger gestaltet. Sowohl die Straßenverhältnisse als auch korrupte Zöllner und Räuber machen ihnen zu schaffen.

Nach der Grenzüberschreitung von Pakistan nach Indien werfen die beiden ihren Zeitplan über Bord: Anstatt Tag für Tag Kilometer herunterzureißen wollen sie sich nun Zeit lassen und nach Lust und Laune weiterreisen. Dabei wollen sie natürlich Länder und Menschen näher kennenlernen – was sie bisher nicht gemacht haben.

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zwei Esel – ein Ziel: Santiago de Compostela

Tim Moore: Zwei Esel auf dem JakobswegEin vollkommen atheistischer und unbekehrbarer Brite begibt sich mit einem französischen Esel auf den Jakobsweg nach Spanien. Was sich erst unglaubwürdig anhört, ist eine wahre Geschichte des (zugegeben leicht durchgeknallten) britischen Reiseliteraten Tim Moore, die er in seinem Buch Zwei Esel auf dem Jakobsweg niedergeschrieben hat.

Neugierig durch Heldengeschichten von Wallfahrten beschließt Moore, sich selbst auf den Jakobsweg zu begeben. Bevor seine Reise losgeht, absolviert er allerdings noch einen Schnellkurs in Sachen Eselhaltung und besorgt sich einen uralten Reiseführer über den Jakobsweg. An der Grenze zwischen Frankreich und Spanien ersteht er den Esel Shinto und läuft gemeinsam mit ihm optimistisch und voller Tatendrang los.

Doch schon an der ersten Brücke gibt es die ersten Probleme: Shinto hat Angst vor gebrechlich aussehenden Brücken und möchte partout nicht darüber laufen. Nach vergeblichem Bitten, Locken und Flehen sucht sich Moore einen anderen Weg, ohne den Fluss überqueren zu müssen. Allerdings ahnt er da noch nicht, dass es auf dem Jakobsweg nur so von Brücken wimmelt. Auch in den Refugios sorgt der Esel Shinto nicht immer für Begeisterung – besonders wenn er anfängt zu laut schreien. Und auch das Wetter zeigt auf den rund 800km durch Spaniens Norden die verschiedensten Launen. Ganz zu Schweigen von den teils langen und steilen Anstiegen, die bei brütender Hitze zu bewältigen sind. Und trotz aller Anstrengungen kommt der Humor im Buch nie zu kurz, wobei vor allem die Geschichten um Shinto für Pointen sorgen.

Im Laufe der Reise lernen sich Shinto und Moore immer besser kennen und werden dicke Freunde – was man sich zu Beginn des Buches kaum vorstellen kann. Und wie in fast allen Reisebüchern wird der Wanderer auch hier zum Pilger. Der Weg wird das Ziel.

Ein Vergleich mit Hape Kerkelings Ich bin dann mal weg… fällt mir nicht schwer: Im Gegensatz zu Moore ist Kerkelings Roman humorlos, flach, langweilig und enthält kaum Pointen (und wenn, dann sehr schwache). Auch die Philisophie der beiden Autoren ist grundverschieden: Während Moore ein sehr zäher Mensch ist und wirklich jede Anstrengung meistert, macht es sich Kerkeling einfach. Wenn Kerkeling keine Lust hat einen Berg zu besteigen, dann fährt er per Anhalter. Und Refugios (Herbergen) sind für unseren VIP sowieso unter aller Würde – für ihn muss es schon ein Hotel sein. Bei Kerkeling hatte ich von der ersten bis zur letzten Seite den Eindruck, dass es ihm nur darum geht den Jakobsweg irgendwie “abzuhaken” und mit einem Buch Geld zu verdienen.

Fazit zu Moore: Britischer Humor der feinsten Sorte und 1000x besser als Kerkeling.

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die Denker des Dschungels

Die Denker des Dschungels: Der Orangutan-Report

Heute möchte ich mal ein wirklich großartiges Buch über unseren nächsten Verwandten – den Orangutan – vorstellen. Das Buch ist Bilderbuch und Reportage zugleich. Zum Hintergrund: Der Orangutan gehört mittlerweile zu einer vom Aussterben bedrohten Tierart. Jährlich sterben rund 6000 dieser hochintelligenten Tiere.

Eine Ursache ist die blinde und zerstörerische Rodung riesiger Flächen von Regenwald. Tag für Tag werden in den ärmsten Ländern der Welt Unmengen an Holz für den Export nach Europa & Co. abgeholzt. Wenn man den Vereinten Nationen glauben darf, werden im Jahre 2002 etwa 98 Prozent der Regenwälder weltweit zerstört sein (Quelle: http://www.bos-deutschland.de/).

Schafft Lebenswald

Ein weiteres großes Problem ist das Schmuggeln von Tieren. So werden oft Muttertiere getötet, um die Orangutan-Babys anschließend für viel Geld zu verkaufen. Unter den Käufern finden sich sowohl Privatpersonen, die sich einen Affen als Statussymbol halten und ihn nicht selten alkohol- und zigarettenabhängig machen. Aber auch Zirkusse sind an den Affen interessiert. Diese werden dann zu Boxern herangezüchtet um Besuchermassen anzulocken. Kaum vorstellbar, wie pervers Menschen sind, die Freude haben, den Tieren dabei zuzusehen.

Das Buch “Die Denker des Dschungels: Der Orangutan-Report. Bilder. Fakten. Hintergründe.” beschreibt die Lebensweise und die aktuelle Situation der Orangutans sowie deren Lebensraum sehr detailliert. Dazu tragen vor allem die eindrucksvollen und großformatigen Fotos bei. Exemplarisch seien einige wenige Themen aus dem Buch genannt:

  • Kindheit der Orangutans
  • Grips, Genie oder gesunder Menschenverstand?
  • Kultur bei Affen: Kann das sein?
  • eine Fahrt an die Holzfällerfront in Kalimantan

Neben einem allgemeinen Überblick über die Situation der Menschenaffen werden aber auch viele Einzelschicksale – ebenfalls reich bebildert – beschrieben. So z.B. die Geschichte des Orangutan Babys Bali, der bei der Tötung seiner Mutter durch Jäger im Alter von drei Monaten ebenfalls schwer verletzt wurde. Nach einer aufwändigen Operation wird er wieder aufgepäppelt.

Aber das Buch beinhaltet nicht nur bedrückende Berichte. Eine kleine Fotoserie, die einen Affen beim Versuch einen Wasserhahn zu bändigen zeigt, ist hier ein gutes Beispiel. Oder die zahlreichen Fotos die zeigen, wie eine Orangutan-Mutter ihrem Baby das kleine Einmaleins des Lebens beibringt. Und auch die kleinen Geschichten über die erstaunliche Intelligenz der Orangutans seien hier genannt, so z.B. brachte sich ein Affe selbst in hartem täglichem Training das Schwimmen bei, um an die andere Uferseite eines Flusses zu gelangen.

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bloß a Gschicht

Er kam herein und hat dieses Flimmern mit sich gebracht und jede hat gespürt, dass etwas nicht stimmte. Acht Köpfe hoben sich und jede wusste, wer an der Reihe war. Sie war dran – und die anderen sieben haben weiter gegessen und versucht, ihre Köpfe ganz tief in den Futtertrog zu stecken. Nur sie brachte keinen Bissen mehr runter…

Hans Söllner: Bloß a GschichtSo beginnt das 2004 veröffentlichte Buch “Bloß a Gschicht” vom bayrischen Liedermacher und Revoluzzer Hans Söllner. Beschrieben wird eine alltägliche Situation auf einem Bauernhof: Der Bauer betritt den Stall und wird eine Kuh schlachten. Dieses Bild begleitet die eigentliche Handlung während des ganzen Buches und wird immer wieder aufgeriffen.

Doch die eigentliche, anarchistisch-utopische Geschichte handelt von den Bewohnern des Dorfs Marzoll, in dem Hans Söllner wohnt. Die Marzoller beginnen eine Rebellion: Sie schotten sich komplett von der Außenwelt ab. Besitz wird unwichtig – jedem gehört alles. Polizei brauchen sie keine, denn die Marzoller leben miteinander und füreinander. Es gibt auch keine Fleischproduktion in Marzoll. Die Tiere leben im Verbund mit den Menschen und werden nicht einfach des Essens wegen abgeschlachtet. Jedes Tier lebt bis zum natürlichen Tod und stirbt dann in Würde.

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zu Fuss von Flensburg nach Rom

Kurt Peipe: Dem Leben auf den FersenDie Geschichte von Kurt Peipe bewegt: Mit über 60 Jahren bekommt der Gärtnermeister die Diagnose Krebs. Unheilbar krank. Überall Metastasen. Die Ärzte geben ihm maximal noch ein halbes Jahr.

Da fasst er einen Entschluss: Er möchte zu Fuss einen Großteil des Europäischen Fernwanderwegs E1 gehen. Von Flensburg nach Rom. 3350 Kilometer.

Während er am Anfang der Reise noch etwas naiv an die Wanderung herangeht (mit zuviel Gepäck und zuwenig Geld), wird er immer mehr zum Pilger. Der Weg wird das Ziel. Die Krankheit und die Schmerzen treten in den Hintergrund.

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