Ein vollkommen atheistischer und unbekehrbarer Brite begibt sich mit einem französischen Esel auf den Jakobsweg nach Spanien. Was sich erst unglaubwürdig anhört, ist eine wahre Geschichte des (zugegeben leicht durchgeknallten) britischen Reiseliteraten Tim Moore, die er in seinem Buch Zwei Esel auf dem Jakobsweg niedergeschrieben hat.
Neugierig durch Heldengeschichten von Wallfahrten beschließt Moore, sich selbst auf den Jakobsweg zu begeben. Bevor seine Reise losgeht, absolviert er allerdings noch einen Schnellkurs in Sachen Eselhaltung und besorgt sich einen uralten Reiseführer über den Jakobsweg. An der Grenze zwischen Frankreich und Spanien ersteht er den Esel Shinto und läuft gemeinsam mit ihm optimistisch und voller Tatendrang los.
Doch schon an der ersten Brücke gibt es die ersten Probleme: Shinto hat Angst vor gebrechlich aussehenden Brücken und möchte partout nicht darüber laufen. Nach vergeblichem Bitten, Locken und Flehen sucht sich Moore einen anderen Weg, ohne den Fluss überqueren zu müssen. Allerdings ahnt er da noch nicht, dass es auf dem Jakobsweg nur so von Brücken wimmelt. Auch in den Refugios sorgt der Esel Shinto nicht immer für Begeisterung – besonders wenn er anfängt zu laut schreien. Und auch das Wetter zeigt auf den rund 800km durch Spaniens Norden die verschiedensten Launen. Ganz zu Schweigen von den teils langen und steilen Anstiegen, die bei brütender Hitze zu bewältigen sind. Und trotz aller Anstrengungen kommt der Humor im Buch nie zu kurz, wobei vor allem die Geschichten um Shinto für Pointen sorgen.
Im Laufe der Reise lernen sich Shinto und Moore immer besser kennen und werden dicke Freunde – was man sich zu Beginn des Buches kaum vorstellen kann. Und wie in fast allen Reisebüchern wird der Wanderer auch hier zum Pilger. Der Weg wird das Ziel.
Ein Vergleich mit Hape Kerkelings Ich bin dann mal weg… fällt mir nicht schwer: Im Gegensatz zu Moore ist Kerkelings Roman humorlos, flach, langweilig und enthält kaum Pointen (und wenn, dann sehr schwache). Auch die Philisophie der beiden Autoren ist grundverschieden: Während Moore ein sehr zäher Mensch ist und wirklich jede Anstrengung meistert, macht es sich Kerkeling einfach. Wenn Kerkeling keine Lust hat einen Berg zu besteigen, dann fährt er per Anhalter. Und Refugios (Herbergen) sind für unseren VIP sowieso unter aller Würde – für ihn muss es schon ein Hotel sein. Bei Kerkeling hatte ich von der ersten bis zur letzten Seite den Eindruck, dass es ihm nur darum geht den Jakobsweg irgendwie “abzuhaken” und mit einem Buch Geld zu verdienen.
Fazit zu Moore: Britischer Humor der feinsten Sorte und 1000x besser als Kerkeling.
PS: Moore hat noch weitere verrückte Reisen unternommen. Unter anderem ist er – als absolut untrainierter Radsport-Amatour – mit seinem Fahrrad die Tour de France des Jahres 2000 nachgeradelt. Diesen Roman – er heisst übrigens Alpenpässe und Anchovis – werde ich mir evtl. dieses Jahr mal vornehmen.
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